March 2025
Die digitalen Aspekte der Energiewende sind integraler Bestandteil einer modernen Energiepolitik und stellen den Datenschutz und die Datensicherheit vor einzigartige Herausforderungen. Sie ergeben sich aus der zunehmenden Digitalintegration, den hochkomplexen Datenflüssen und der immer größer werdenden Menge an Informationen, die durch fortschrittliche Technologien generiert und verarbeitet werden.
Die Grundlagen des Datenschutzes und der Datensicherheit im Kontext der digitalen Energiewende sind eine Herausforderung für viele der beteiligten Unternehmen. Die damit verbundene wachsende Digitalisierung ist eine Querschnittsaufgabe, die verschiedene Akteure und Technologien verbindet. Diese Interdisziplinarität erfordert den Austausch von Daten über verschiedene Sektoren hinweg und erhöht damit die Herausforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Diese beiden Begriffe werden oft synonym verwendet, haben aber einen unterschiedlichen Fokus.
Datenschutz bezieht sich auf den Schutz personenbezogener Daten vor unrechtmäßiger Verarbeitung und Nutzung. Dabei stehen rechtliche Prinzipien wie Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Transparenz und Datenminimierung im Vordergrund.
Datensicherheit hingegen beschreibt Maßnahmen, die sicherstellen, dass Daten ihre Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit behalten, unabhängig davon, ob sie personenbezogen sind oder nicht. Bei der Datensicherheit stehen technische und organisatorische Mechanismen wie Verschlüsselung, Zugriffskontrolle und Datensicherung im Vordergrund.
Ein Beispielfür die Komplexität des Themenfeldes ist die kommunale Wärmeplanung, beider Daten aufbereitet, aggregiert und analysiert werden müssen, um fundierteEntscheidungen treffen zu können. Dabei entsteht ein Zielkonflikt: Während dergesetzliche Datenschutz Datenminimierung verlangt, also nur die nötigsten Datenzu erheben, sind umfassende Daten für die Planung oft entscheidend.
Ein weiteresSpannungsfeld ergibt sich aus der Rolle der Verteilnetzbetreiber. Sie spielen eine Schlüsselrolle in der Energiewende, unterliegen aber strenge nregulatorischen Vorgaben wie dem Unbundling. Prinzipien wie Diskriminierungsfreiheit, Zweckbindung und Transparenz sollen für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen, sind aber mit hohem administrativem Aufwand verbunden.
Die Gewährleistung von Datenschutz und Datensicherheit erfordert sowohltechnologische als auch organisatorische Ansätze. Im Folgenden werden zentraleMaßnahmen vorgestellt und vertieft:
Sicherheitskonzepte
Ein IT-Sicherheitskonzept bildet die Grundlage für den Datenschutz in der digitalen Energiewende. Es dokumentiert Systemarchitektur, Schnittstellen und Datenflüsse und identifiziert Schwachstellen. Eine umfassende Risikobewertung analysiert Bedrohungen wie Cyberangriffe oder unberechtigte Zugriffe. Daraus abgeleitete Maßnahmen umfassen Firewalls, Intrusion-Detection-Systeme,Sicherheitsupdates und Redundanzmechanismen zur Vermeidung von Datenverlusten.Notfallpläne legen das Vorgehen bei Vorfällen fest.
Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)
Technische Maßnahmen wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützen Daten während der Übertragung und Speicherung. Authentifizierungsverfahren wie biometrische Systeme oder Zwei-Faktor-Authentifizierung erhöhen die Sicherheit.Organisatorisch sind Schulungen für Mitarbeitende essenziell, um den sicheren Umgang mit Daten zu gewährleisten. Klare Richtlinien zur Datenspeicherung und Zugriffskontrolle minimieren Risiken.
Auftragsverarbeitung
Die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern birgt Risiken, die durch Auftragsverarbeitungsverträge nach Art. 28 DSGVO gemindert werden. Diese definieren den Zweck und Umfang derVerarbeitung und verpflichten Dienstleister zu Schutzmaßnahmen. Regelmäßige Audits überwachen die Einhaltung, während die Auswahl geeigneter Anbieter durchZertifizierungen erleichtert wird.
Anonymisierung und Pseudonymisierung
Die Anonymisierung schließt eine Identifizierung der betroffenen Personen aus, ist jedoch oftaufwendig. Pseudonymisierung ersetzt personenbezogene Daten durch Kennzeichen, sodass eine indirekte Identifizierung unter strengen Zugriffsregeln möglich bleibt. Ein Beispiel ist die Zuordnung von Vebrauchsdaten zu anonymisierten Kundennummern statt Namen.
Datenaggregation
Die Datenaggregation fasst Datensätze zu Gruppen zusammen, um Rückschlüsse auf Einzelpersonen zuvermeiden. In der kommunalen Wärmeplanung können beispielsweise Verbrauchsdaten von mindestens fünf Haushalten aggregiert werden. Dies gewährleistet Datenschutz und ermöglicht gleichzeitig detaillierte Analysen.
Monitoring und kontinuierliche Verbesserung
Ein effektives Datenschutz- und Datensicherheitsmanagement erfordert kontinuierliche Überwachung. Monitoring-Tools erkennen Sicherheitsverstöße in Echtzeit,während Audits und Penetrationstests Schwachstellen aufdecken. Eine engeZusammenarbeit von IT-Sicherheits- und Datenschutzexperten ist unverzichtbar.
Der digitale Zwilling ist ein zentrales Instrument der digitalen Energiewende. Diese Technologie ermöglicht die Integration von Datenanalyse, Simulation und Planung auf einer Plattform. Ein durchdachter digitaler Zwilling setzt Datenschutz und Datensicherheit durch technische Features wie Benutzerkonzepte, Zugriffskontrollen und Backup-Mechanismen um. Darüber hinaus erleichtert erdie Einhaltung gesetzlicher Vorgaben durch die Integration von Funktionen wie Anonymisierung und Pseudonymisierung.
Ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität des digitalen Zwillings. Er kann an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst werden und ermöglicht so einen datenschutzkonformen Einsatz in verschiedenen Kontexten der Energiewende.
Trotz der vielfältigen Möglichkeiten gibt es auch Hindernisse bei der Umsetzung. Dazu gehört die Sicherstellung einer ausreichenden Qualifikation der beteiligten Akteure. Datenschutz und Datensicherheit erfordern ein hohes Maß an Expertise, sowohl in rechtlicher als auch technischer Hinsicht. Darüber hinaus ist der finanzielle und administrative Aufwand für die Einhaltung derVorschriften nicht zu unterschätzen sowie der ständige Anpassungsbedarf an neue gesetzliche Vorgaben und technologische Entwicklungen. Hier ist Flexibilität gefragt, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können.
Datenschutz und Datensicherheit in der digitalen Energiewende sind komplex, aber beherrschbar. Durch klare Sicherheitskonzepte, die Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen sowie den gezielten Einsatz von Technologien wie dem digitalen Zwilling können die Herausforderungen gemeistert werden. Die Energiewende erfordert jedoch eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Ansätze und eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure.
Zukünftig wird es entscheidend sein, innovative Technologien und bewährte Konzepte zukombinieren, um den Anforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden. Nur so kann die Energiewende effizient, nachhaltig und datenschutzkonform gestaltet werden.
Erschienen in der VDI energie + umwelt, 03/04, Autor Daniel Keller, enersis