Unternehmen investieren zu wenig in IT

Veröffentlicht
08.09.2015

Unternehmen investieren zu wenig in IT

Essen/Bern (e21.info) - Die Energiebranche ist auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern: Smarte Energieanwendung und Digitalisierung sind die Schlagwörter. energate stellt in einem Sommerspecial Unternehmen und Personen vor, die sich mit dem Thema beschäftigen. Dazu hat energate mit Thomas Koller gesprochen. Er ist Geschäftsführer der enersis Suisse AG mit Sitz in Bern und Berlin, einem auf die Energiewirtschaft spezialisierten Prozess- und IT-Beratungsunternehmen.

Bei der fortschreitenden Digitalisierung macht IT-Spezialist Thomas Koller einen Unterschied zwischen den großen Energiekonzernen und den kleineren und mittleren Versorgern aus. "Die Großen wissen bereits sehr genau, dass sie die Herausforderungen mit der aktuellen Struktur nicht bestehen werden", sagt der IT-Berater. Viele kleine und mittlere Energieversorger dagegen seien sich noch nicht einmal des Problems bewusst. Eine zentrale IT, wie sie bislang in vielen Betrieben vorherrscht, werde aktuelle Probleme nicht lösen können, zeigt sich Koller überzeugt. Weiterhin sei die IT in den meisten Unternehmen immer noch ein Unterstützungsprozess. "Das ist absolut falsch, weil IT dann immer eine Kostenstelle bleibt und der relevante Beitrag zur Wertschöpfung nicht direkt sichtbar ist", warnte Koller

"Bei vielen Energieversorgern findet man noch die eine IT", so der Experte. Allerdings könne keine IT-Abteilung alle Feinheiten im Detail kennen. Die Unternehmen müssten ihre IT dahingehend professionalisieren sowie dezentralisieren und somit auch mehr investieren. Das sei aber immer noch nicht als zentraler Punkt in den Lösungsszenarien der Versorger berücksichtigt. "An vielen Stellen reden wir immer noch von Kostensenkung im IT-Bereich", sagt Koller. "Im Zeitalter der Digitalisierung ist dies nicht nur die falsche Diskussion, sie gefährdet sogar die Wettbewerbsfähigkeit des ganzen Unternehmens." Ein weiteres wichtiges Thema wird laut Koller der Kulturwandel in den Unternehmen sein. Die Energieversorger stünden bei jungen Leuten nicht ganz oben auf der Liste der Wunscharbeitgeber. So verzeichnet etwa enersis laut Koller einen hohen Zulauf von etablierten Unternehmen aus der Energiebranche. "Die kommen zu uns, den kleinen, innovativen Unternehmen, beobachtet der Berater". Dort könnten sie sich offenbar besser verwirklichen und mehr Spaß an der Arbeit haben, "auch ohne Krawatte". Daran müssten die Energieversorger dringend arbeiten.

Um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, werden sich die Energieversorger Partner suchen müssen, ist Koller überzeugt. Sie bräuchten eine Umgebung mit jungen, schnellen, innovativen Firmen. "Wir beobachten, dass die Energieversorger, die viel erneuerbare Energien in ihr Stromnetz einspeisen, aktuell technologisch am weitesten
entwickelt sind", so Koller. Wobei sie in mehrfacher Hinsicht dazu gezwungen wurden, wie der Berater einräumt. Bei vielen anderen Energieversorgern nimmt Koller eher reaktives Verhalten wahr. "Da gibt es keinen, der den Markt gestaltet. Das ist wirklich ein Branchenproblem".

 

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